Charles Lewinsky schreibt in seinem Nach-Minarettabstimmungs-Essay auf tagesanzeiger.ch: „Wir müssen uns einsetzen. Die Kleinarbeit nicht scheuen. In Parteien eintreten.“
Erstes und zweites ist voll und ganz zu unterschreiben, letzteres aber – in Parteien einzutreten – nur eine von vielen Möglichkeiten.* Und vielleicht auch nicht die wirkungsvollste. Der Einfluss der Parteien nimmt ab. Politik – gerade in einem Staat mit einem politischen System mit direktdemokratischen Elementen wie der Schweiz – ist nicht nur Parteienpolitik. Es ist auch Stammtischpolitik, Familienznachtpolitik, Vereinsanlasspolitik etc. etc.
Nähe zählt
Von Marketing- und PR-Seite her wissen wir, dass direkte Kommunikation (Face-to-face) am meisten Überzeugungskraft besitzt. Und wenn ich meinen Gesprächspartner kenne, seine Beweggründe und Ansichten über Gott und die Welt einschätzen kann, dann ist die Wirkung auf mich nochmals grösser. Am wirkungsvollsten ist noch immer, was jede und jeder in ihrem/seinen privaten Umfeld sagt und tut. Das wissen auch die InitiantInnen der Minarettinitiative – und es ist ihnen nicht zu verübeln, dass ihre Art zu kommunizieren, Erfolg gezeigt hat. Es ist vielmehr daraus zu lernen.
Wer in den Wochen vor der Abstimmung online, in sozialen Netzwerken, Blogs und Foren unterwegs war, hat Face-to-face-Kommunikation in vielerlei Formen und einem immensen Ausmass gesehen; ja vielleicht sogar selbst daran teilgenommen. Das ist Politik mit Wirkung. PolitikerInnen, ExpertInnen, JournalistInnen etc. spielen hier die Rolle von Inputgebern, ihre Meinungen, Ansichten, Informationen werden öffentlich zur Diskussion gestellt. Und Bürgerinnen und Bürger im Netz diskutieren ausführlich, kontrovers, mit Überzeugung.
Nähe fehlt
Noch nicht optimal an diesen öffentlichen Debattierorten im Netz ist, dass BürgerInnen und VertreterInnen der offiziellen Politik nur selten auf derselben Stufe stehen. Erstere bringen ihre Meinungen frei und direkt im Netz zum Ausdruck, zweitere kommunizieren als eine/r zu vielen. Diese relative Distanz ist künftig weiter zu vermindern. Manche Partei und nicht wenige PolitikerInnen haben das bereits begriffen und nutzen die neuen Möglichkeiten, die das Netz bietet, um mit den BürgerInnen – ihren WählerInnen – in engeren Kontakt zu treten. Der Erfolg gibt ihnen recht.
Die Wahlen 2010
Anfangs März stehen die nächsten Wahlen an: Gemeinde- und Stadtratswahlen im Kanton Zürich und Grossrats- und Regierungsratswahlen im Kanton Bern. politnetz.ch bietet Kandidierenden den Ort und die nötigen Kommunikationsmittel, um näher an ihren WählerInnen zu sein. Und ebenso den BürgerInnen: Sprechen Sie die Kandidierenden in Ihrem Wahlkreis direkt an, sagen Sie ihnen, welche Probleme gelöst werden müssen und fordern Sie Antworten, um sich eine Meinung zu bilden.
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*Charles Lewinsky hat sie vermutlich auch nur als ein Beispiel erwähnt.
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Dieser Geist gefällt mir überhaupt nicht…
http://animaximas.wordpress.com/2009/12/03/eidenbenz-geht-um/