Know-How Reihe, Teil 3: Was eine Politiker-Website erfolgreich macht – und was eben nicht.
Beim Thema Website sind sich die meisten Politiker einig. Ein persönlicher Webauftritt gehört zum guten Ton. Falsch machen kann man wenig. Denken zumindest die Politiker. Die Qualität der digitalen Eigenwerbung überrascht nur selten. Im dritten Teil unserer Wissensreihe beleuchten wir die Faktoren für eine erfolgreiche Webpräsenz.
von Thomas Bigliel. Eine Website ist in erster Linie ein digitales Wunschkonzert. Ein Wunschkonzert, bei dem Ihre eigene Meinung wenig Gewicht hat. Ihre Rolle sollte diejenige des Dirigenten sein, denn obwohl Sie im Zentrum stehen, geht es primär darum Ihre Zuhörer zufriedenstellen zu können. Nicht Sie, sondern Ihre Bezugsgruppen müssen sich mit dem Inhalt Ihres Webauftritts identifizieren können. Vergessen Sie nicht: Das Internet ist in erster Linie ein Informationsmedium – Schweizerinnen und Schweizer verbringen mehr Zeit im Internet als mit dem Lesen von Zeitungen. Es ist nicht die Aufgabe des Internets und schon gar nicht die Aufgabe Ihres Publikums Ihre Inhalte zu strukturieren. Sie sind dafür verantwortlich, dass Ihre Bezugsgruppen finden, wonach diese suchen. Bürger und Journalisten (um einmal zwei Zielgruppen zu nennen) haben nicht selten das Problem, dass sich Politiker-Websites aus der Sicht von Politikern erstellt wurden. Und das ist eben falsch. Wer sich nicht auf die verschiedenen(!) Bedürfnisse seiner Besucher einlässt, hat es schwer bei diesen zu punkten. Einer Website sollte deshalb immer eine Planungsphase vorangehen. Testen Sie selber. Wenn Sie die folgenden Fragen nicht beantworten können, sollten Sie Ihre Online-Karriere nochmals überdenken – oder Ihre bestehende Seite so schnell wie möglich einstampfen.
Drei Kernfragen, die Sie vor dem Betrieb einer Seite beantworten müssen:
- Wer soll Ihre Seite besuchen?
- Was sind die Erwartungen dieser Menschen?
- Und nicht zu vergessen: Wie erfährt Ihre Zielgruppe von Ihrem Webauftritt?
Wenn das Bild Ihrer Website den grundlegenden Fragen nach dem Wer, Wie und Wieso standhält, empfiehlt es sich Ihren geplanten Webauftritt aus der Sicht Ihrer Zielgruppen zu durchleuchten. Versuchen Sie sich in die Rolle eines Bürgers, eines Sympathisanten und eines Journalisten zu versetzen und notieren Sie sich die Erwartungen dieser Personen – vergessen Sie nicht, dass Erwartungen auch mit- und untereinander kollidieren können.
Das Beispiel von EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller (BE) zeigt, dass auch verschiedene Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden können. Obwohl Streiff offenbar auf den Einsatz von Social Media verzichtet, erhält man als Betrachter ein gutes Bild über die Arbeit der Bundesparlamentarierin.
Folgende Elemente sollte Ihre Website per Möglichkeit beinhalten:
- Den persönlichen Bezug (grossflächige Fotos wirken in der Regel sympathisch)
- Ihren Leistungsausweis
- Ihre Schwerpunktthemen
- Eine Übersicht über Ihre Unterstützer / Testimonials
- Hintergründe zu Ihrer Personen (Lebenslauf, Bilder etc.)
- Eine Mediensektion
- Eine oder mehrere Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme

Die Generalsekretärin der FDP-Frauen, Claudine Esseiva, setzt ihre Inhalte ansprechend verpackt per Videobotschaften um – allerdings scheint Sie das vergessen zu haben. Trotz kürzlich gestarteter Oben-Ohne-Kampagne stammt die Website aus den Wahlen von 2007. Wer nicht auf die Aktualität seiner Inhalte achtet, kommt in Teufels Küche und höchstwahrscheinlich auch (negativ) in die Medien.
Achtung Stolperfalle:
- Eine eigene Website mag ein starkes Signal sein aber ist nicht immer notwendig (vgl. “Und die sozialen Medien?”)
- Berücksichtigen Sie das Vorwissen Ihrer Zielgruppe und kommunizieren Sie in einer kurzen und klaren Sprache
- Ein Informationsbedürfnis vonseiten Ihrer Zielgruppe muss meistens erst geschaffen werden – das Internet hat nicht auf Sie gewartet
- Ihre Website sollte Ihre Bemühungen widerspiegeln und alle Inhalte über Sie an einem Ort zusammenfassen (Facebook, Twitter etc.)
- Wenn Sie Neuigkeiten veröffentlichen, sollte Ihnen klar sein, dass diese veralten
- Ihr Online-Auftritt, sollte in Art und Form mit Ihrer Offline-Aktivitäten korrespondieren (Wiedererkennbarkeit)
- … das Internet vergisst nie. Einmal eingestellte Inhalte, bleiben für immer(!) sichtbar
Und die sozialen Medien?
Wie erwähnt, braucht eine eigene Website nicht nur eine planerische Hand, sondern eben auch Zeit. Man macht nicht mal “schnell” eine Website und überlässt diese dann sich selbst. Ein eigener Webauftritt bedeutet Pflege und erfordert, dass Sie sich in Ihre Zielgruppe hineinversetzen können. Als zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger sollten Sie auf Ihrer eigenen Website alle Ihre Inhalte zusammenfassen und diese Konvergenz für sich nutzen. Um abschliessend beim musikalischen Vergleich zu bleiben: Wer nicht auf die Bedürfnisse seiner Zielgruppe(n) eingeht, wird über kurz oder lang für einen leeren Konzertsaal den Taktstock schwingen. Politnetz-Nutzer haben den Vorteil, dass Sie mit Ihrem Politnetz-Profil alle relevanten Informationen auf einen Punkt zusammenführen können. Konzerthaus, Taktstöckchen und Zuhörer inklusive. Weitere Infos über das Politnetz-Profil.
Einsortiert unter:Know-How, Politik, PolitikerInnen | Leave a Comment





No Responses Yet to “Know-How Reihe, Teil 3: Was eine Politiker-Website erfolgreich macht – und was eben nicht.”