Alles flauer Wahlkampf oder was?
von Adrienne Fichter “Stell Dir vor, es sind Wahlen. Und niemand schaut hin” Mit diesem Satz beklagte der bekannte Campaigner Louis Perron in seinem neuesten Blogpost den “flauen Wahlkampf”. Da es gemäss seinem Verständnis nur die SVP versteht, effektives Campaigning zu betreiben, fiel der diesjährige Wahlkampf besonders leise aus. Mehrere Polit-Beobachter stellen fest, dass dominierende Sommerthemen wie die Stärke des Schweizer Frankens ein Zusammenstehen der Parteien und Rückhalt für eine nationale Institution wie die Nationalbank erforderten. Und sich wenig für Wettbewerb zwischen den Parteien eignen. Die Schwäche der hiesigen Export- und Tourismusindustrie überlagerte alle anderen Wahlkampfthemen mit vielversprechendem Konfliktpotenzial. So hat auch, wie Perron schrieb, die Masseneinwanderungsinitiative nicht denselben polarisierenden Effekt wie die Schäfchenplakate: “Gute Kampagnen sind nie eine Wiederholung anderer guter Kampagnen”.
2 Wochen vor dem Wahltermin kam nochmals Bewegung in der Kampf. Allerdings – so liessen die jüngsten Aktionen der Parteien vermuten- mit den Mitteln des Negative Campaigning, was soviel bedeutet, dass politische Kontrahenten von gezielten Kampagnen einen Imageschaden erleiden sollen.
So bläst die FDP zum elektronischen Angriff gegen die SP und schaltete in den Bahnhöfen unterschiedlicher Städte einen Spot, der den Slogan “Für alle- Statt für Wenige” abwandelt und sinngemäss verdrehte (“Für alle weniger”). “Fiese Wahlwerbung” titelte der Blick und unterstellt den Freisinnigen, dass sie nun Wahlkampf um jeden Preis betreibe, damit sie auf ihre 20 % Wähleranteil komme. Auf Kosten ihrer Widersacher.
In die gleiche Kerbe schlugen auch SVP und CVP mit Blick auf die Bundesratswahlen am 14. Dezember: Die SVP fordert als Reaktion auf Christoph Darbellays Aussage, die SVP sei eine wirtschaftsfeindliche Partei die nichts im Bundesrat zu suchen habe, dass die CVP sich zur Konkordanz bekenne und zwei SVP-Vertreter am Wahldatum in den Bundesrat wählen soll. Die CVP wittert in diesem Statement wiederum einen Geheimplan zur Abwahl der amtierenden Bundesrätin Doris Leuthard.
So scheint neben der EU-Freundlichkeit, die die SVP allen gegenerischen politischen Lagern dauerhaft unterstellt (und auch bei politnetz.ch ein Dauerbrenner bleibt) v.a. auch die Zusammensetzung des Bundesrats und die Frage nach der angemessenen Konkordanz genügend Angriffsflächen für den diesjährigen Wahlkampf zu bieten, womit sich die Parteien mit Missmut begegnen und auf Konfrontationskurs gehen. Hat sich damit auch Negative Campaigning hierzulande als Wahlkampfmethode und Stilmittel etabliert? War das alles nur Show, um dem Wahlkampf noch den letzten Schwung zu verleihen? Oder geben in der Schweizerischen Politlandschaft immer noch Harmonie und sachliche Positonen den Ton im Wahlkampf an?
Wir vergeben “Carte Blanches” an die Exponenten verschiedener Parteien zum Thema Wahlkampf, Online-Campaigning und alles was im politischen Web 2.0 bewegt. Den Anfang macht Emanuel Wyler, Online-Campaigner der SP Schweiz.
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warum gibt es auf politnetz.ch nur bürger, politiker und partner? mitgemeint zu sein ist beleidigend.
hallo palo…wer fehlt deiner meinung nach?
Ja, palo, was fehlt denn genau?