Wahlkampf unterm Medienradar
von Emanuel Wyler, zuständig für Online-Campaigning und Mobilisierung bei der SP Schweiz.
Flau und lau sei der Wahlkampf. Es gäbe keine visionären Positionen mehr, die Plakate seinen langweilig, so lautet jedenfalls der herrschende Medien-Mainstream (eine angenehme Ausnahme war übrigens in der Aargauer Zeitung zu lesen). Vielleicht stimmt das aus dem Helikopterblick des Mainstream-Journalisten. Aber da wo der Wahlkampf wirklich stattfindet, im direkten Kontakt, auf dem Boden der Tatsachen, nahe bei den Leuten, da geht es so intensiv zu und her wie schon lange nicht mehr. Wer, wie die SP, den Fokus auf den 1:1-Kontakt setzt, auf Mobilisierung, Dialog, solide und möglichst verständliche Positionen merkt das täglich von früh bis spät auf der Strasse. Und der Online-Betrieb läuft in der heissen Phase natürlich sowieso 24/7. Eine Woche vor dem Wahlsonntag ist also ein guter Zeitpunkt für eine kleine Umschau.
Newsportale und die Diskussionsplattformen Politnetz und Vimentis sprechen ein sehr breites Publikum an, (potenzielle) SP-WählerInnen genauso wie vehemente GegnerInnen. Auf diesen Sites vernetzt SP Schweiz die Aktiven und informiert über neuste Informationen und Argumentarien. Ziel ist ein Auftritt nach dem Motto «gemeinsam sind wir stark», denn der Ton ist oftmals sehr rau und Beleidigungen zahlreich, vom «pissenden Pinscher», über «Landesverräter» zu den «linke Zecken» – viele (vor allem solche, die nicht selber und aussichtsreich kandidieren) haben Mühe mit dem fehlenden Anstand. Es ist nicht einfach, aber es führt kein Weg daran vorbei, möglichst viele SP-Mitglieder dazu zu bringen, dagegen zu halten, zu argumentieren und zu kommentieren.
Ein Merkmal heutiger Online-Kommunikation ist das Verwischen der Grenze von «externer» zu «interner» Kommunikation. Obwohl öffentlich, erreichen und informieren wir mit der Wahlenwebsite, Facebook und Twitter auch viele SP-Mitglieder. So wurden die schon über 10’0000 Wahlerinnerungs-SMS wohl vor allem von Mitglieder und SympathisantInnen verschickt, auch wenn die Site öffentlich ist.
Bei der momentanen Intensität gibt es natürlich wenig was man online nicht erlebt, sei es harte Kritik an der SP, Wahlanleitungen oder auch wie sich zwei SP-WählerInnen auf der SP-Schweiz-Seite zum Mittagessen verabreden. Man sieht auch wie man es nicht machen sollte: Über ein Anti-SP-Plakat der FDP gab es eifrige Diskussionen auf Facebook und Twitter . Leider diskutierte die FDP Schweiz (bis auf einen Unterstützer aus der Basis) kaum mit, bzw. auf ihrer Facebook-Seite recht unsachlich: «Das ist wirtschaftspolitischer Analphabetismus in Reinkultur: Da verwundert es nicht, wenn in der Cüpli- und Beamtenpartei Unternehmer und damit Wirtschaftskompetenz Mangelware sind.».
E-Mailings an Zehntausende von Mitgliedern und SympanthisantInnen und die Plattform sp-mitmachen.ch mit ca. 600 sehr aktiven WahlkämpferInnen sind schliesslich Herzstück der internen Mobilisierung und für die Vernetzung der Mitglieder und die Koordination des Wahlkampfes auf allen Kanälen.
Eine eigentliche Trennung von «offline» und «online» gibt es in diesem Wahlkampf nicht, nur Unterscheidungen welches Stück Information für welchen Kanal geeignet ist. Aktionen auf der Strasse und Terminkalender werden im Netz organisiert und dokumentiert, Argumentarien für Politnetz und Standaktionen gleichermassen werden über social media verbreitet, Kandierende führen das persönliche Gespräch in der Beiz nachher auf ihrer Facebook-Seite weiter. Wahlkampf und Mobilisierung sind als Gesamtpaket zu sehen, in der ein Tweet genauso seine Berechtigung hat wie eine Postkarte im Briefkasten. Die SP Schweiz hat darin eine gewisse Koordinationsaufgabe, ein solcher Wahlkampf ist aber vor allem ein Mosaik der Aktivitäten von Kantonalparteien, Sektionen, Kandidierenden und WahlkämpferInnen – in der Deutschschweiz sind das ungefähr 1000 aktive SP-Mitglieder. Ziel ist es, mit möglichst vielen Menschen direkt und ohne Umweg über die Medien in Kontakt zu kommen und über Politik zu sprechen. Denn nur so kann man sie überzeugen, gemeinsam mit der SP sozialdemokratisch zu politisieren.
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